Praxisanleiter in der Pflege: Weiterbildung, Aufgaben, Gehalt und Jobs

Ein Praxisanleiter begleitet Auszubildende in der Pflege während der praktischen Ausbildung, plant und dokumentiert Anleitungen und wirkt als Fachprüfer bei der Abschlussprüfung mit. Ohne diese Rolle darf keine Einrichtung ausbilden: Mindestens zehn Prozent der praktischen Ausbildungszeit müssen angeleitet werden, und die Befähigung setzt eine berufspädagogische Zusatzqualifikation von 300 Stunden voraus. Dieser Artikel erklärt Aufgaben, Weiterbildung, Fortbildungspflicht und was Praxisanleiter nach TVöD, AVR und TV-L verdienen.

Veröffentlicht: 21.10.202613 min Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Praxisanleiter sind Pflegefachkräfte mit berufspädagogischer Zusatzqualifikation, die Auszubildende in der praktischen Ausbildung anleiten. Jede ausbildende Einrichtung muss sie vorhalten.
  • Typische Aufgaben: Anleitungen planen und durchführen, Lernstand prüfen, Ausbildungsnachweise begleiten, den Kontakt zur Pflegeschule halten und als Fachprüfer in der praktischen Prüfung mitwirken.
  • Voraussetzungen: Erlaubnis als Pflegefachkraft, mindestens ein Jahr Berufserfahrung in den letzten fünf Jahren und eine Weiterbildung von mindestens 300 Stunden. Danach sind jährlich 24 Stunden Fortbildung Pflicht.
  • Umfang: Mindestens 10 % der praktischen Ausbildungszeit jedes Einsatzes müssen geplant und strukturiert angeleitet werden. Die Kosten der Praxisanleitung werden über die Ausbildungsfonds der Länder refinanziert, in die alle Einrichtungen einzahlen.
  • Gehalt: Im TVöD und bei der Caritas sind Praxisanleiter in Entgeltgruppe P 8 eingruppiert, 3.701,21 € bis 4.488,98 € im Monat plus Pflegezulage. Im TV-L der Unikliniken gibt es stattdessen eine Zulage von 91,49 €, bei der Diakonie eigene Zulagen.
  • Perspektive: Ab 2027 brauchen auch die Ausbildungen zur Pflegefachassistenz Praxisanleitung. Der Weg führt weiter zur zentralen Praxisanleitung, in die Pflegepädagogik oder in Leitungsfunktionen.

Was ist ein Praxisanleiter?

Ein Praxisanleiter ist eine Pflegefachkraft, die Auszubildende während ihrer Einsätze in Krankenhaus, Pflegeheim oder ambulantem Dienst gezielt anleitet. Während die Pflegeschule den Unterricht verantwortet, sorgt die Praxisanleitung dafür, dass das Gelernte am Patientenbett ankommt: Sie führt Auszubildende schrittweise an die Aufgaben einer Pflegefachfrau oder eines Pflegefachmanns heran, hält sie zum Führen des Ausbildungsnachweises an und hält die Verbindung zur Schule. So beschreibt es § 4 der Pflegeberufe-Ausbildungs- und -Prüfungsverordnung, der zentralen Norm für diesen Beruf. Synonym spricht man von Praxisanleitung oder kurz PA, in Stellenanzeigen auch von „Pflegefachkraft mit Zusatzfunktion Praxisanleitung“.

Die Rolle ist keine Kür, sondern Pflicht. Nach § 6 Absatz 3 des Pflegeberufegesetzes ist die Praxisanleitung „wesentlicher Bestandteil der praktischen Ausbildung“ und muss mindestens 10 % der Ausbildungszeit jedes Einsatzes ausmachen. Der Träger der praktischen Ausbildung hat das nach § 18 PflBG sicherzustellen. Seit der generalistischen Pflegeausbildung von 2020, der gemeinsamen Ausbildung für Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege, gilt diese Quote bundesweit und einheitlich, zuvor hatten Altenpflege- und Krankenpflegegesetz die Anleitung nur allgemein vorgeschrieben. Das Berufsbild hat sich dadurch von der nebenbei erledigten Betreuung zur definierten Funktion mit eigener Qualifikation, Stundenbudget und Tarifgruppe entwickelt.

Praxisanleiter bleiben dabei in aller Regel Pflegefachkräfte im Dienstplan. Nur ein Teil der Einrichtungen stellt sie ganz oder teilweise für die Anleitung frei, häufig als „zentrale Praxisanleitung“, die alle Auszubildenden eines Hauses betreut. Die Mehrheit leitet neben der eigenen Schicht an, was die Planung der vorgeschriebenen 10 % zur täglichen Organisationsaufgabe macht.

Welche Aufgaben hat ein Praxisanleiter?

Die Aufgaben folgen dem Ausbildungsverlauf: vom Orientierungseinsatz zu Beginn über die Pflichteinsätze in Krankenhaus, Pflegeheim und ambulantem Dienst bis zum Vertiefungseinsatz im letzten Ausbildungsdrittel und zur Abschlussprüfung. Vier Felder bestimmen den Alltag:

Anleitungen planen und durchführen

Praxisanleiter übersetzen den Ausbildungsplan in konkrete Lernsituationen: Welche Kompetenzen soll die Auszubildende in diesem Einsatz erwerben, an welchen Patienten lässt sich das üben, wann ist Zeit dafür? Die eigentliche Anleitung läuft in der Regel in drei Schritten, Vorbereitung im Gespräch, gemeinsames oder beobachtetes Handeln am Patienten und anschließende Reflexion. Jede Anleitung wird dokumentiert, weil die Einrichtung den Umfang von mindestens 10 % der Einsatzzeit nachweisen muss. Dazu kommt das Erstgespräch zu Beginn und das Abschlussgespräch mit Beurteilung am Ende jedes Einsatzes.

Lernstand prüfen und beurteilen

Praxisanleiter kontrollieren den Kenntnis- und Fertigkeitsstand ihrer Auszubildenden, erkennen Lücken und greifen bei Lernschwierigkeiten ein, bevor sie zum Problem für die Prüfung werden. Sie bewerten die Leistungen im Einsatz und geben diese Beurteilung an die Pflegeschule weiter. Am Ende der Ausbildung wirken sie als Fachprüfer mit: Nach § 10 PflAPrV gehören praxisanleitende Personen dem Prüfungsausschuss für den praktischen Teil an, mindestens eine davon soll aus der Einrichtung des Vertiefungseinsatzes stammen. Die Rolle verlangt deshalb Fairness und Dokumentationssicherheit.

Schnittstelle zur Pflegeschule und zum Team

Die Verordnung verlangt ausdrücklich, dass Praxisanleiter die Verbindung zur Pflegeschule halten. In der Praxis heißt das: Abstimmung mit der Praxisbegleitung, also den Lehrkräften der Schule, die die Auszubildenden in der Einrichtung besuchen, Teilnahme an Praxisanleitertreffen, Rückmeldung zu Lehrplaninhalten, die in der Einrichtung nicht abgebildet werden können. Nach innen vermitteln Praxisanleiter zwischen Auszubildenden und Team, klären Konflikte und sorgen dafür, dass Auszubildende nicht als Lückenfüller im Dienstplan verschwinden. Bei Trägern mit mehreren Häusern koordinieren zentrale Praxisanleiter zusätzlich die Einsatzplanung über die Standorte hinweg.

Einarbeitung, Konzepte und eigene Fortbildung

Viele Einrichtungen übertragen Praxisanleitern auch die Einarbeitung neuer Mitarbeiter, die Begleitung von Praktikanten und die Anleitung von Pflegehelfern in Ausbildung. Sie entwickeln Einarbeitungs- und Anleitungskonzepte und halten sie mit dem Ausbildungsplan aktuell. Schließlich müssen Praxisanleiter selbst lernen: Mindestens 24 Stunden berufspädagogische Fortbildung im Jahr sind vorgeschrieben und gegenüber der zuständigen Behörde nachzuweisen. Wer die Fortbildung versäumt, verliert die Befähigung zur Praxisanleitung.

Wie wird man Praxisanleiter?

Der Weg zur Praxisanleitung ist bundesrechtlich vorgezeichnet und in vier Schritten beschreibbar. Die Details der Weiterbildung, also Inhalte, Anbieter und Prüfung, regeln dagegen die Länder oder, wo sie das nicht tun, die Empfehlung der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

  • Pflegeausbildung: Voraussetzung ist die Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung nach § 1 PflBG oder eine der früheren Erlaubnisse nach § 58 oder § 64 PflBG, also auch Altenpfleger und Gesundheits- und Krankenpfleger nach altem Recht.
  • Berufserfahrung: Mindestens ein Jahr innerhalb der letzten fünf Jahre, nach § 4 Absatz 2 PflAPrV möglichst im Einsatzbereich, in dem später angeleitet wird.
  • Weiterbildung: Eine berufspädagogische, also auf das Lehren und Anleiten im Beruf bezogene Zusatzqualifikation von mindestens 300 Stunden nach § 4 Absatz 3 PflAPrV. Wer die Qualifikation bereits am 31. Dezember 2019 nach altem Recht besaß, ist gleichgestellt.
  • Fortbildung: Mindestens 24 Stunden jährlich, insbesondere berufspädagogisch. Nur diese Fortbildung darf nach § 4 Absatz 4 PflAPrV vollständig digital stattfinden, die Weiterbildung selbst nicht.

Wie die 300 Stunden aufgebaut sind

Die 300 Stunden sind ein Mindestmaß, ihre Verteilung regeln die Länder unterschiedlich. Einige Bundesländer haben eigene Weiterbildungsverordnungen, andere verweisen auf die Empfehlung der Deutschen Krankenhausgesellschaft, wieder andere beschränken sich auf Erlasse zur Anerkennung. Drei Beispiele zeigen die Bandbreite:

RegelungUmfangBesonderheiten
Bayern (AVPfleWoqG)300 Stunden: 252 Unterricht, 16 Hospitation, 32 Praxisprojekt mit BerichtZugang mit Erlaubnis nach PflBG oder Hebammengesetz und mindestens einjähriger Tätigkeit; staatliche Prüfung
Nordrhein-Westfalen (Erlass)mindestens 300-stündige Weiterbildung an einer Weiterbildungsstätte oder pädagogisches StudiumE-Learning höchstens 25 %; Fortbildung mit mindestens zwölf Stunden berufspädagogischen Inhalten
DKG-Empfehlung (2022)mindestens 300 Stunden, davon 24 Stunden Hospitation; höchstens 10 % selbstgesteuertes Lernendrei Module an DKG-anerkannten Weiterbildungsstätten; gilt, wo Länder nichts Eigenes regeln

Quellen: Bayerische Ausführungsverordnung zum Pflege- und Wohnqualitätsgesetz, § 82 und § 84; Bezirksregierung Münster, Erlassaktualisierung Praxisanleitung vom 01.09.2025 (PDF-Seiten 2 und 4); DKG-Empfehlung zur Weiterbildung Praxisanleitung vom 14./15.03.2022 (PDF-Seite 10). Stand Oktober 2026.

Inhaltlich geht es in allen Modellen um dieselben Felder: Lernprozesse planen und begleiten, Anleitungsmethoden, Beurteilen und Prüfen, Gesprächsführung und Konfliktlösung, rechtliche Grundlagen der Ausbildung sowie die eigene Rolle zwischen Pflegefachkraft und Lehrender. Die Weiterbildung dauert je nach Anbieter und Lernform unterschiedlich lang, berufsbegleitend üblicherweise mehrere Monate. Die Kosten tragen in vielen Fällen die Arbeitgeber, zumal die Kosten der Praxisanleitung nach § 27 PflBG zu den refinanzierten Ausbildungskosten gehören. Eine amtliche Gebührenordnung gibt es nicht, die Preise setzen die Weiterbildungsstätten selbst fest.

Wer den Nachweis prüft, ist ebenfalls Ländersache. In Nordrhein-Westfalen wird die Befähigung gegenüber der Bezirksregierung nachgewiesen, in Hamburg gibt die Sozialbehörde eine Richtlinie vor, nach der die jährliche Fortbildung zu mindestens zwei Dritteln berufspädagogische Themen umfassen muss. Baden-Württemberg verzichtet nach Auskunft des Sozialministeriums bislang auf eine behördliche Prüfung der Zusatzqualifikation und überlässt die Kontrolle den ausbildenden Einrichtungen, ausdrücklich als Übergangsregelung. Wer den Arbeitgeber wechselt, sollte Weiterbildungszertifikat und Fortbildungsnachweise deshalb lückenlos aufbewahren.

Welche Soft Skills brauchen Praxisanleiter?

Soft Skills sind die persönlichen und sozialen Fähigkeiten, die über Fachwissen hinausgehen. Für Praxisanleiter sind sie entscheidend, weil sie zwischen Auszubildenden, Team, Schule und Leitung vermitteln und dabei gleichzeitig Vorbild, Lehrer und Prüfer sind. Sechs Eigenschaften stehen im Vordergrund:

  • Didaktisches Geschick und Geduld beim Erklären
  • Kommunikationsfähigkeit, auch in Kritik- und Beurteilungsgesprächen
  • Organisationstalent für Anleitungszeiten im laufenden Dienst
  • Reflexionsfähigkeit gegenüber dem eigenen pflegerischen Handeln
  • Durchsetzungsvermögen gegenüber Team und Leitung
  • Fachliche Aktualität und Lernbereitschaft

Die vier wichtigsten im Detail:

Didaktisches Geschick

Eine gute Pflegefachkraft ist nicht automatisch eine gute Anleiterin. Praxisanleiter müssen Handlungsabläufe, die ihnen selbst in Fleisch und Blut übergegangen sind, in Schritte zerlegen, begründen und dem Lernstand der Auszubildenden anpassen. Genau das vermittelt die Weiterbildung, und genau daran scheitern Anleitungen, die nur nebenbei laufen.

Kommunikationsfähigkeit

Beurteilungen, Zwischengespräche und die Mitwirkung in der Prüfung verlangen klare, nachvollziehbare und respektvolle Rückmeldungen. Praxisanleiter müssen Kritik so formulieren, dass Auszubildende daraus lernen, und zugleich Konflikte zwischen Auszubildenden und Stationsteam moderieren können.

Organisationstalent

Die vorgeschriebenen 10 % Anleitungszeit entstehen nicht von selbst. Praxisanleiter müssen Anleitungen in Dienstpläne einplanen, Patienten auswählen, mit Kollegen Vertretungen absprechen und das alles dokumentieren. Wer ohne Freistellung arbeitet, braucht diese Fähigkeit täglich.

Durchsetzungsvermögen

In personell knappen Diensten ist die Versuchung groß, Anleitungszeiten zu streichen und Auszubildende als volle Arbeitskraft einzusetzen. Praxisanleiter müssen den gesetzlichen Anspruch der Auszubildenden gegenüber Leitung und Team vertreten, auch wenn das unbequem ist. Die Verordnung gibt ihnen dafür das Argument an die Hand.

Bei welchen Arbeitgebern arbeiten Praxisanleiter?

Praxisanleiter werden überall dort gebraucht, wo nach dem Pflegeberufegesetz ausgebildet wird, und das sind seit der Generalistik alle Einrichtungsarten: Krankenhäuser, Pflegeheime und ambulante Dienste sind gleichermaßen Träger der praktischen Ausbildung oder Einsatzorte für die Pflichteinsätze. Wie sich der Arbeitsalltag unterscheidet:

  • Stationäre Altenpflege: Der größte Arbeitgeber für Praxisanleiter in den Stellenanzeigen auf pflegejobs-direkt.de. Große Träger schreiben die Funktion in fast jedem Haus aus, häufig als Zusatzfunktion zur Pflegefachkraft mit Zulage und teilweiser Freistellung.
  • Krankenhäuser und Unikliniken: Oft mit zentraler Praxisanleitung, die viele Auszubildende über die Stationen hinweg betreut, dazu Anleitung in Fachweiterbildungen und für Operationstechnische Assistenten. Hier ist die Freistellung am ehesten vollständig.
  • Ambulante Pflegedienste: Anleitung auf der Tour, also im Einzelkontakt beim Patienten zu Hause, mit hohem Planungsaufwand und häufig in Kombination mit der stellvertretenden Pflegedienstleitung.
  • Pflegeschulen und Bildungsträger: Als Lehrkraft für den praktischen Unterricht oder als Dozent in Praxisanleiter-Weiterbildungen, meist mit zusätzlichem pädagogischem Studium.

In den Anzeigen wird die Rolle unterschiedlich zugeschnitten. Die meisten Arbeitgeber verlangen die abgeschlossene Weiterbildung, einige bieten an, sie zu finanzieren. Eine Zulage für die Praxisanleitung nennen vor allem einzelne große Träger, eine teilweise oder vollständige Freistellung findet sich dagegen in Anzeigen verschiedenster Häuser. Welche Einrichtungen gerade suchen, zeigen die Bereiche Stationäre Altenpflege und Krankenhaus und Klinik.

Aktuelle Stellen für Praxisanleiter

Alle offenen Stellen mit Praxisanleitung im Titel bündelt unser Bereich Praxisanleitung, Stellen mit angebotener Weiterbildung finden Sie zusätzlich im Bereich Fachweiterbildung. Eine Auswahl aktueller Anzeigen:

Offene Stellen für Praxisanleiter

Aktuell 347 offene Stellen für Praxisanleiter in Pflegeheimen, Kliniken und ambulanten Diensten.

22.10.2026
PraxisanleitungLeitung

Praxisanleitung (m/w/d)

Alloheim
DresdenTeilzeit, VollzeitStationäre Altenpflege30 Tage UrlaubBetriebliche AltersvorsorgeFort- und WeiterbildungGesundheitsangebote+3 mehr
21.10.2026
PraxisanleitungFachweiterbildung

Praxisanleiter OP (m/w/d)

Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.
BonnunbefristetVollzeitKrankenhaus und KlinikBetriebliche AltersvorsorgeFort- und WeiterbildungJobrad und FahrtkostenzuschussMitarbeiterrabatte+3 mehr

Wie hoch ist das Gehalt von Praxisanleitern?

Die Praxisanleitung ist eine der wenigen Zusatzfunktionen in der Pflege, die der Tarif ausdrücklich honoriert, allerdings auf zwei verschiedenen Wegen. Der TVöD der kommunalen Häuser und die AVR der Caritas gruppieren Praxisanleiter eine Stufe höher ein, der TV-L der Länder und Unikliniken zahlt stattdessen eine Zulage. Eine eigene amtliche Gehaltsstatistik für Praxisanleiter gibt es nicht, weil die Funktion keinen eigenen Berufsschlüssel hat.

TVöD und AVR Caritas: Entgeltgruppe P 8

Die Entgeltordnung des TVöD (PDF-Seite 139) führt in der Entgeltgruppe P 8 als eigene Fallgruppe „Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter in der Pflege mit berufspädagogischer Zusatzqualifikation nach bundesrechtlicher Regelung und entsprechender Tätigkeit“. Die bundesrechtliche Regelung ist der § 4 PflAPrV, die 300 Stunden sind also auch tariflich die Eintrittskarte. Die Caritas hat dasselbe Tätigkeitsmerkmal in ihre Anlagen 31 und 32 übernommen, und ihre P-Tabelle ist seit dem 1. Februar 2026 wertgleich mit dem TVöD. Gegenüber einer Pflegefachkraft in P 7 bedeutet das:

GruppeStufe 2Stufe 3Stufe 4Stufe 5Stufe 6
P 7 (Pflegefachkraft)3.510,303.701,213.998,334.149,594.305,40
P 8 (Praxisanleiter)3.701,213.862,804.075,584.247,924.488,98
Differenz190,91161,5977,2598,33183,58

Monatliche Tabellenentgelte in € brutto nach Anlage E (Pflegedienst) zum TVöD-VKA, gültig ab 01.05.2026, identisch mit der P-Tabelle der AVR Caritas ab 01.02.2026; in P 7 und P 8 ist die Stufe 2 die Eingangsstufe. Quellen: VKA-Lesefassung TVöD BT-K, Stand 01.01.2026 (PDF-Seite 22); Tätigkeitsmerkmal nach Entgeltordnung VKA, Teil B Abschnitt XI (PDF-Seite 139); Caritas nach Beschlüsse der Bundeskommission 4/2016 (PDF-Seite 24).

Pflegefachkraft und Praxisanleiter im Tarifvergleich (Eingangsstufe bis Stufe 6)

Pflegefachkraft P 7 3.510–4.305 €

Praxisanleiter P 8 3.701–4.489 €

3.4003.8004.2004.600

Angaben in € brutto im Monat

Die Höhergruppierung bringt beim Einstieg rund 191 € im Monat, in der Endstufe rund 184 €, dazwischen schmilzt der Vorsprung zeitweise auf 77 € zusammen, weil die Stufen von P 7 und P 8 nicht parallel laufen. Beide Gruppen beginnen in Stufe 2 und erreichen die Stufe 3 erst nach drei statt zwei Jahren. Zum Tabellenentgelt kommen im TVöD die Pflegezulage von 141,82 € und eine Zulage von 25 € im Monat, bei der Caritas dieselben Beträge als „Zulagen von mindestens 166,82 €“, dazu Schicht- oder Wechselschichtzulage und die Jahressonderzahlung von 86 %. Wer vor der Weiterbildung als Pflegefachkraft mit herausgehobener Tätigkeit ohnehin in P 8 stand, gewinnt durch die Praxisanleitung tariflich nichts hinzu. Alle Gruppen, Stufen und Zulagen der Caritas erklärt unser Artikel zur AVR Caritas Gehaltstabelle Pflege 2026.

TV-L und Diakonie: Zulage statt Höhergruppierung

Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder hat bewusst auf ein eigenes Tätigkeitsmerkmal verzichtet. Praxisanleiter an Unikliniken und Landeskrankenhäusern bleiben in ihrer Entgeltgruppe, meist KR 7 oder KR 8 (KR steht im TV-L für die Entgeltgruppen der Pflege), und erhalten nach der Protokollerklärung Nr. 3 zum Pflegeteil der Entgeltordnung TV-L (PDF-Seite 201) für die Dauer der Tätigkeit eine monatliche Zulage nach Anlage F Abschnitt IV Nr. 9 (PDF-Seite 4). Sie betrug seit dem 1. Februar 2025 89,00 € und seit dem 1. April 2026 91,49 € im Monat. Nach den Durchführungshinweisen der Tarifgemeinschaft gilt die Zulage nur für die Anleitung von Auszubildenden nach dem Pflegeberufegesetz, nicht für die Einarbeitung neuer Kollegen.

TarifwerkMechanikBetrag
TVöD-VKAHöhergruppierung P 7 nach P 877 € bis 191 € im Monat je nach Stufe
AVR CaritasHöhergruppierung P 7 nach P 877 € bis 191 € im Monat je nach Stufe
TV-LZulage Anlage F Abschnitt IV Nr. 991,49 € im Monat (seit 01.04.2026)
AVR Diakonie DeutschlandZulage für ständige Praxisanleitung in den Entgeltgruppen 7 und 8200 € im Monat (seit 01.07.2026)
AVR DWBO (Diakonie Berlin-Brandenburg)Zulage in Höhe der halben Differenz zur nächsthöheren Entgeltgruppeabhängig von Gruppe und Stufe

Quellen: Entgeltordnung zum TV-L, Teil IV Abschnitt 1, Protokollerklärung Nr. 3; TdL, Anlage F zum TV-L gültig ab 01.02.2025 (PDF-Seite 4); Freie Hansestadt Bremen, Rundschreiben 08/2026, Anlage F gültig ab 01.04.2026; TdL-Durchführungshinweise Pflege, Stand 22.11.2019 (PDF-Seiten 30 bis 31); Rundschreiben der ARK.DD vom 11.07.2025 (PDF-Seite 5); AVR DWBO, Stand 01.01.2026, § 14 (PDF-Seite 47). Stand Oktober 2026.

Interessanterweise liegt die Diakonie Deutschland mit ihrer seit Juli 2026 gezahlten Zulage von 200 € über dem, was TVöD und Caritas in den mittleren Stufen durch die Höhergruppierung bringen. Bei privaten Trägern ohne Tarifbindung ist die Bandbreite am größten: Manche zahlen eine feste Funktionszulage, andere honorieren die Praxisanleitung nur durch Freistellung, wieder andere gar nicht. In Stellenanzeigen lohnt deshalb der Blick auf drei Angaben: Zulage, Umfang der Freistellung und Übernahme der Weiterbildungskosten.

Welche Perspektiven haben Praxisanleiter?

Die Praxisanleitung ist für viele Pflegefachkräfte der erste Schritt weg vom reinen Schichtdienst, ohne den Patientenkontakt aufzugeben. Der Bedarf wächst: Mit dem Pflegefachassistenzgesetz (§ 5, PDF-Seite 6) braucht ab dem 1. Januar 2027 auch die 18-monatige Ausbildung zur Pflegefachassistenz eine Praxisanleitung von mindestens 10 % der Einsatzzeit. Die neue Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflegefachassistenz (§ 6, PDF-Seite 7) stellt klar, dass Praxisanleiter mit Befähigung nach der PflAPrV auch diese Auszubildenden anleiten dürfen, und erlaubt übergangsweise bis Ende 2029 den Einsatz erfahrener Pflegefachpersonen ohne Zusatzqualifikation. Wer die Weiterbildung bereits hat, ist in beiden Ausbildungen einsetzbar. Von dort führen drei Wege weiter:

  • Zentrale Praxisanleitung: Vollständig freigestellte Koordination der Ausbildung über Stationen oder Standorte hinweg, in größeren Häusern mit eigener Stabsstelle. Bei der Diakonie Berlin-Brandenburg ist diese Leitungs- und Koordinationsfunktion sogar von der Zulagenregelung getrennt.
  • Pflegepädagogik: Ein Bachelor- oder Masterstudium in Pflegepädagogik öffnet den Weg in die Pflegeschule als Lehrkraft für Theorie und Praxis. Die Stellen sammelt unser Bereich Pflegepädagogik.
  • Leitung: Die Erfahrung in Anleitung, Beurteilung und Konfliktlösung ist eine gute Grundlage für die Wohnbereichs-, Stations- oder Pflegedienstleitung, wo nach den Tarifwerken die Gruppen P 10 bis P 14 erreichbar sind.

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Fazit

Praxisanleiter sind seit der Generalistik eine gesetzlich definierte Funktion mit klaren Anforderungen: Fachkraft, ein Jahr Erfahrung, 300 Stunden Weiterbildung, 24 Stunden Fortbildung im Jahr. Dafür gibt es im TVöD und bei der Caritas die Entgeltgruppe P 8, im TV-L und bei der Diakonie eine Zulage, und ab 2027 mit der Pflegefachassistenz noch mehr Auszubildende, die angeleitet werden müssen. Wer gern erklärt und Verantwortung für den Nachwuchs übernehmen will, findet hier eine Aufgabe mit Zukunft. Wir hoffen, dass wir Ihnen damit weiterhelfen konnten!

FAQ: Häufige Fragen zur Praxisanleitung

Ergänzend beantworten wir fünf Fragen, die zur Praxisanleitung besonders häufig gestellt werden.

Wie lange dauert die Weiterbildung zum Praxisanleiter?

Vorgeschrieben ist ein Umfang von mindestens 300 Stunden, nicht eine Dauer. Berufsbegleitend verteilen die Anbieter die Stunden üblicherweise auf mehrere Monate mit Blockwochen oder einzelnen Seminartagen, in Vollzeit geht es schneller. In Bayern sind die 300 Stunden in 252 Stunden Unterricht, 16 Stunden Hospitation und 32 Stunden für ein Praxisprojekt gegliedert.

Darf ich ohne Weiterbildung anleiten?

In den Pflichteinsätzen und im Vertiefungseinsatz der generalistischen Ausbildung nicht, dort verlangt § 4 PflAPrV die Befähigung mit 300 Stunden. In den weiteren Einsätzen soll die Anleitung durch entsprechend qualifizierte Fachkräfte sichergestellt werden. Für die Ausbildung zur Pflegefachassistenz gilt ab 2027 eine Übergangsregel: Bis Ende 2029 dürfen auch Pflegefachpersonen mit mindestens einem Jahr Berufserfahrung ohne Zusatzqualifikation anleiten.

Werde ich als Praxisanleiter freigestellt?

Das regelt kein Gesetz, sondern der Arbeitgeber. Vorgeschrieben ist nur, dass mindestens 10 % der praktischen Ausbildungszeit jedes Einsatzes angeleitet werden. Viele Einrichtungen rechnen daraus ein Stundenkontingent je Auszubildendem aus und stellen Praxisanleiter dafür anteilig frei, zentrale Praxisanleiter in Kliniken häufig vollständig. In Stellenanzeigen wird der Umfang der Freistellung zunehmend ausdrücklich genannt.

Was verdient ein Praxisanleiter im TVöD?

Praxisanleiter mit abgeschlossener Zusatzqualifikation stehen in Entgeltgruppe P 8. Seit dem 1. Mai 2026 reicht die Tabelle dort von 3.701,21 € in der Eingangsstufe 2 bis 4.488,98 € in Stufe 6, hinzu kommen die Pflegezulage von 141,82 € und eine Zulage von 25 € im Monat sowie Schicht- und Wechselschichtzulagen. Gegenüber einer Pflegefachkraft in P 7 sind das je nach Stufe 77 € bis 191 € mehr.

Muss ich die 24 Stunden Fortbildung jedes Jahr nachweisen?

Ja. § 4 Absatz 3 PflAPrV verlangt eine kontinuierliche, insbesondere berufspädagogische Fortbildung von mindestens 24 Stunden jährlich, nachzuweisen gegenüber der zuständigen Behörde. Die Länder konkretisieren das: Nordrhein-Westfalen verlangt mindestens zwölf Stunden berufspädagogische Inhalte, Hamburg mindestens zwei Drittel. Die Fortbildung darf vollständig digital stattfinden, die Weiterbildung selbst nicht.